Der Filz

1992, Roman


Das Buch über Bern.
 

                                                                         

Books on Demand   
468 S.
ISBN 978-3-8391-8385-4



Ein herzergreifend schönes Bild des Jahrzehnte lang politisch nahezu unangefochtenen berner Politmilieus und Establishments in seiner unvorteilhaftesten Darstellung, nämlich als verfilzter und korrupter Klüngel, ausgehend vom einflussreichen bernischen Finanzdirektor, der momentan mächtig in der Klemme steckt, weil ungeschickterweise eine Mappe verschwunden ist, die Mappe eines befreundeten Bankdirektors, in welcher auf Computerausdrucken die Schmiergeldzahlungen ebendieser Bank an die politischen Parteien und an ihre Repräsentanten fein säuberlich aufgelistet sind. Dieser brisante schriftliche Beleg für die durchaus landesübliche und längst institutionalisierte Korruption, in die falschen Hände gelegt, wäre nicht nur ein medialer Hammer und umgehend das unrühmliche und abrupte Ende der solide gewählten bernischen Regierung in ihrer gegenwärtigen politischen Zusammensetzung, sondern auch das Ende einer Menge von persönlichen Ambitionen und ehrgeizigen Karrieren. Allein deshalb bricht sofort allerorten größte Hektik, ja, richtige Panik aus. Familien lösen sich auf, Existenzen brechen ein, und alles nur wegen eines beschissenen Mäppchens. Aber die Tatsachen sind viel banaler, als von verdorbenen Geistern jemals angenommen werden kann, denn die Mappe ist einfach in einem Taxi liegen geblieben, dessen verzweifelter Chauffeur, ein Secondo, auch deshalb nicht mehr ein noch aus weiß. Doch noch gibt es den guten, alten Konsens; alles löst sich in landesüblicher Minne auf, also ohne juristische Folgen, politische Konsequenzen oder natürliche Gewalt, allein auf Grund dieser überaus nützlichen „Absprachen“, die hier das politische Geschehen so sehr bestimmen und beherrschen. Der überglückliche Taxifahrer, der die Mappe gefunden hat, kann endlich seinen Wunschtraum erfüllen, nämlich eine sizilianische Kneipe eröffnen, wenn auch nur im fensterlosen dritten Untergeschoss einer zentral gelegenen Tiefgarage hinter meterdicken Betonmauern, eine Trattoria übrigens, die tatsächlich existiert und von allerlei Leuten gerne frequentiert wird.